How To Get A Beach Body…

Über dich und deinen Körper und was das mit dieser Gesellschaft zu tun hat

(von feminist subversion)

Fat Shaming, Cat calling, Gesundheitswahn, Selbstoptimierung, Fitnesszwang, Werbung, Markenzwänge, Schönheitsnormen, muskulös, aber bloß nicht maskulin, gephotoshoppte Menschen auf Plakatwänden, die uns zeigen, wie niemand ist. Wie soll irgendwer unter diesen Bedingungen eigentlich ein positives Bild von seinem_ihrem eigenen Körper entwickeln? Was ist das für 1 Life?
Das gerade genannte ist eine begriffliche Aufzählung, die zeigen soll, womit in Bezug auf ihren Körper insbesondere FLIT° täglich konfrontiert sind. Es sind anerkannte Mittel, die den ständigen Zwang, sich selbst zu „optimieren“, legitimieren und manifestieren sollen. Täglich begegnen uns Menschen, ob Familie, Freund_innen oder Unbekannte, die meinen, unser Aussehen beurteilen und bewerten zu müssen. Täglich begegnen uns explizite und unterschwellige Botschaften, die uns ein (meist schlechtes) Gefühl unserem Körper gegenüber geben. Und selten werden Leute gefragt, ob sie den Kommentar über ihr Aussehen überhaupt wollen, den sie bekommen.
Die Fokussierung auf den Körper einer Person ist allerdings in gesellschaftlichen Verhaltensmustern verankert.

Szeneinterne Schablonen

Oft sind die Bewertenden nicht einfach Menschen, die es nicht besser wissen: Unter anderem in linken Kreisen meinen Leute, sich durchgehend auf die Kleidung oder den Körper ihrer Genoss_innen beziehen zu müssen. Manchmal sagen sie den Spruch den Personen selbst, manchmal treffen sie diese Aussagen zusammen mit oder vor anderen über die Körper anderer Menschen. Dabei geht es viel um Begehren und um die Frage, welche Körper in einer linken Szene „schön“ und „anziehend“ sind.
Es lohnt sich, bevor man so einen Kommentar dann tatsächlich rauslässt, mal kurz innezuhalten und sich daran zu erinnern, dass Leute manchmal nichts über ihren Körper oder ihr Aussehen hören wollen, weil oft genug das Gefühl präsent ist, auf Äußerlichkeiten reduziert zu werden.
Allerdings geht es auch um Anerkennung als ernstzunehmende_r Aktivist_in: Wer kennt diese Situationen nicht, wenn kleine Personen, FLIT oder andere gefragt werden, ob sie sich die erste Reihe sicher zutrauen? (Wir schrieben darüber bereits an anderer Stelle, siehe unser Statement zu sexistischen Vorfällen auf der „Free Paul“-Demo.)

It‘s not your fault!

Wir denken selbst in eben den genannten normativen Mustern über Körper und wir verkörpern sie mit unserem Auftreten und Verhalten. Sie richten sich nach Zwängen aus, wie Fitheit, Schlankheit und Gesundheit und sie als Zwänge zu realisieren, ist oft schwer möglich. Diese Muster können aber nur solange funktionieren, wie sie nicht hinterfragt und durchkreuzt werden. Aber die meisten Menschen passen sich an gesellschaftliche Körpernormierungen an (einen Keks für die Person, die sich da vollkommen rausnehmen kann). Sie fangen an sich zu vergleichen und sich schlecht zu machen, sie tun vieles nicht mehr aus Spaß, Freude oder eigenen Motivationen, sondern um nicht aus der Norm zu fallen.
Es ist wichtig zu betonen, dass die Leute, die sich beispielsweise dazu zwingen wenig zu essen, Sport zu machen oder sonstwie ihren Körper im Sinne des kapitalistischen Maßstabs zu optimieren, nicht selbst daran Schuld sind. Denn wenn sie sich anders verhalten und keine Diät machen, sind sie oft mit Ausgrenzung und Diskriminierung konfrontiert. Den Leuten zum Vorwurf zu machen, dass sie sich davor schützen wollen, ist also eine harte Nummer, weil damit ignoriert wird, dass es die Strukturen gibt, die zu Diskriminierung führen.
Deshalb: Wir wissen, wie schwer es ist, gerade in Bezug auf (den eigenen) Körper selbstkritisch zu sein, eben weil hier ein besonders starker sozialer Zwang am Werk ist, der eng verbunden ist mit Diskriminierungserfahrungen. Wir wollen auch Leuten nicht vorschreiben, wie sie sich ihrem Körper gegenüber zu verhalten haben, aber wir wollen den Anstoß zur Reflexion eigener Körpervorstellungen geben und einen Versuch des Empowerments machen.

Her mit dem körperpositiven Leben!

Sämtliche Körper, die in den jetzigen Verhältnissen Stigmatisierung ausgesetzt sind, sind erstmal genau richtig, denn: Solange sich eine Person in und mit ihrem Körper wohlfühlt, ist das schön.
Und es wäre sicher einfacher, sich darin wohl zu fühlen, wenn Leute ihn nicht ständig abwerten und in prüfende Blicke nehmen würden!
Auch wenn die Scheiße in gesellschaftlichen Strukturen vergraben liegt, können wir individuell versuchen anzusetzen: Wir können versuchen die Bewertung im Spiegel oder des Gegenübers mal wegzulassen. Die braucht es gar nicht so unbedingt in vielen Situationen, Körper müssen nämlich nicht immer „schön“ oder „hässlich“ sein, die können auch mal nur sein. Und wir können versuchen, uns nicht ständig mit anderen Menschen zu vergleichen, denn unterschiedliche Körper sind nicht vergleichbar. Und was sagen die Vergleiche am Ende aus?
Gleichzeitig wäre die Idee, die wir hier formulieren, radikal zu Ende gedacht auch das Ende jedes Kompliments und jeder Bestärkung, die doch wahnsinnig wichtig für uns ist, besonders innerhalb der bestehenden Verhältnisse. Wir können diese Frage bisher nicht abschließend beantworten, doch an diesem Problem weiterzudenken lohnt sich: Wie können wir Komplimente und Bestärkungen so formulieren, dass sie uns bestärken und uns ein gutes Gefühl geben? Hier müssen wir erneut ansetzen, weil die Lösung nicht sein wird, sich nicht mehr positiv aufeinander zu beziehen. Und trotz aller individueller Intervention: Letztendlich steht einem körperpositiven Leben einiges im Weg, worauf wir auf uns gestellt nicht unmittelbar Einfluss nehmen können. So ganz werden wir also um die radikale Umgestaltung der Gesellschaft nicht herumkommen: das erwähnte körperpositive Leben ist schwer vorstellbar, solang Ausbeutung, Ungleichwertigkeit, das Prinzip der Konkurrenz, Profitlogik, Hierarchie, Über- und Unterordnung grundlegende Elemente der Gesellschaft sind.
Bisher werden unsere Körper dazu genutzt, den kapitalistischen Alltag zu reproduzieren mit all seinen Normen und Unterdrückungsformen. Dabei werden manche Menschen gezielt diskriminiert, beispielsweise „dicke“ Personen, die nicht dem Ideal von trainierten, fitten Körpern entsprechen. Erst in Abwesenheit kapitalistischer Optimierungszwänge können deshalb Menschen entdecken, wie sie sind und dass auch ihr Körper gut so ist. Bis das geschafft ist, lautet unsere Antwort auf die Anfangsfrage trotzdem: Have a body, go to the beach und gönn dir hart!

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